Das J-Maß

Hier gibt’s ‘nen eigenen Artikel. Zum einen, weil’ s relativ umfangreich ist. Zum anderen wegen der Wichtigkeit.

Das J-Maß regelt die Unterliekslänge der Fock. Die darf nämlich 1,1xJ sein. Deshalb haben wir eine 110%-Fock, wegen 110% von J.  Ausnahme wäre die Selbswendefock, die nur 95% von J haben darf.

Weiterhin kann man mit dem Mastfall Einfluss auf den Segeldruckpunkt im Großsegel nehmen.

Wenn ich den Mast nach hinten neige, hat das aber Einfluss auf den Abstand zwischen Mast und Vorstag auf Deckshöhe – also auf das J-Maß.

Um nun einen möglichst ausgeglichenen Lateralplan zu haben, wollen wir alle, dass der Segeldruckpunkt der Fock möglichst weit vorn liegt. Gern soll gleichzeitig, zumindest bei mehr Wind, der Segeldruckpunkt des Groß möglichst weit hinten sein.

Es ist also klar, dass es Festlegungen geben muss, wo die Fock beginnen und wo sie enden soll.

Wir wollen ja, dass alle gleich große Segel fahren.

Und genau das soll hier besprochen werden.

Maßgebend ist Punkt F.6.1 (a) der ERS

Die hintere Begrenzung wird gebildet durch den Schnittpunkt des Decks mit der Mastvorderkante.

Die Vorderkante der Fock wird, rein vermessungstechnisch, mit der Mittelachse des Vorstages gleich gesetzt. Dort beginnt also unser J-Maß.

Vorgehensweise:

Wir ziehen den Mast (mit den Mastcontrollern) möglichst weit nach hinten. Jetzt setzen wir das Achterstag leicht an. Danach setzen wir das Vorstag durch. Damit haben wir sichergestellt, dass das Vorstag im „richtigen Winkel“ nach unten kommt. Der Mast sollte jetzt auch nach Achtern an einem Anschlag anliegen. Bei älteren Booten, die noch einen langen, gleichmäßig breiten, Mastdurchgang haben, muss dieser Anschlag nachträglich eingebaut sein. Wie man das macht, wird am Schluss erklärt.

Sollte der Mast noch nicht am Anschlag sein, Vorstag lösen und mit Achterstag den Mast weiter neigen, bis Kontakt ist. Dann Vorstag wieder durchsetzen.

Wir nehmen die Mittelachse des Vorstages und bringen die Hinterkante eines Lineals damit auf Deckung. Jetzt schieben wir das Lineal so weit nach unten, bis wir das Deck berühren. Wir prüfen nochmal, ob wir wirklich die Mittelachse des Vorstages haben und machen da, wo unser Lineal das Deck berührt, einen Strich. Je länger das Lineal, desto einfacher ist das.

Hier gibt es 2 Problempunkte:

  • Wir müssen beim Verlängern der Mittelachse eine gewisse Sorgfalt wahren, die Umlenkrollen sind dabei leicht hinderlich.
  • Wir müssen „das Deck“ berühren. Das Deck, nicht irgendeinen Punkt in Verlängerung des Decks.

Der Bug ist bei uns ja zu einer Halbkugel verrundet. Somit stellt sich die Frage, wo das Deck in den Rumpf übergeht.

Eine beliebte Hilfsannahme ist, dass man den Radiusbogen in drei gleiche Teile unterteilt, der untere ist dem Rumpf zu zu ordnen, der obere dem Deck und der mittlere bleibt undefiniert.

Ergänzender Hinweis:

Wer mal einen Schaden repariert hat, und beim Verrunden besonders großzügig war, hat jetzt natürlich zusätzliche „Probleme“.

Was man dann machen kann, ist recht einfach: Wir basteln uns noch 1-2 mm Deck und fertig.

Den Vorstagsbeschlag abschrauben, und die Deckshöhe mit Gelcoat wiederherstellen.

Achtung: Deckshöhe wiederherstellen heißt das Deck in seinen Auslieferungszustand zurückversetzten. 6-7 mm Verrundung sollten bleiben.

Natürlich kann es auch sein, dass der Beschlag mit den Umlenkrollen einfach zu weit vorn sitzt.

Am leichtesten ist es, die Rollen ein Loch nach hinten zu setzten. Dann haben wir aber ein paar mm verschenkt.

Also genau prüfen, wie viel wir zu weit vorn sind und mit einer Rundfeile das Loch der Vorstagsumlenkrolle um die  1-2 mm nach hinten zum Langloch machen.

Wenn wir jetzt den Schnittpunkt der Vorstagsmittelachse mit dem Deck markiert haben, messen wir von da bis zur Vorderkante des Mastes auf Deckshöhe. Da hier der Wellenabweiser im Weg ist, wird’s wieder kompliziert. Mir ist noch kein einfaches Hausmittel eingefallen, wie jeder ohne lange Vorbereitung selbst messen kann. Wir Vermesser benutzen eine Schablone, im Prinzip eine riesige Schublehre mit festen Anschlägen.

Soviel zur reinen Vermessung.

Um ein Fehlmaß zu beheben, müssen wir auf unsere Trimmoptionen Rücksicht nehmen. Daher gibt’s hier nur Anregungen, auf was man achten könnte.

Unterstellen wir mal, wir hätten gemessen und das J-Maß wäre zu hoch. Was ist dann zu tun?

An dieser Stelle beweist sich, dass „Segeln“ genauer „richtiger Trimm“ ein Gesamtkunstwerk ist. Von der Art unseres Kunstwerkes hängt es ab, an welcher Stelle wir ändern.

Was ist mit der Mastposition?

Fahre ich überhaupt mit so viel Mastfall? Wenn wir den Mast eigentlich nie so weit nach hinten ziehen, dass er am Anschlag anliegt, wäre die naheliegende Lösung, den Anschlag nach vorn zu versetzen.

Was ist mit der Luvgierigkeit?

Wenn wir sowieso ständig das Gefühl haben, das Boot sei zu luvgierig, steht der Mast vermutlich zu weit hinten. Hier wären beide Probleme (Luvgierigkeit und J-Überlänge) gelöst, wenn wir den Mast ein Loch nach vorn setzten. Und dann den Anschlag verändern.

Wo liegt der Schnittpunkt des Vorstages mit dem Deck?

Bei OD darf er nicht weiter als 10 mm hinter der Decksvorderkante liegen. Bei Nicht-OD-Booten sind’ s 80 mm.

Bei gemessenem J-Untermaß gibt’ s im Prinzip die selben Überlegungen. Nur dass wir regelkonform sind und nichts ändern müssen. Aber können.

Einbau eines J-Maß-Begrenzers:

Welche Bedingungen muss dieser Anschlag für die hinterste Mastposition erfüllen.?

Es muss ein fester Anschlag sein, der vom Segler während der Fahrt nicht manipuliert werden kann.

Beispiele:

  • Unter Deck geht eine Strippe vom Beginn des Mast-nach-vorn-zieh Mastcontrollers hinten um den Mast rum bis zur Umlenkrolle auf der anderen Seite. Die Länge ist genau mit dem J-Mass abgestimmt und die Verknotung ist ohne Werkzeug nicht zu lösen.
  • Im Langloch für den Mastdurchgang sind seitlich Flächen angebracht, an die sich der Mast bei max. Mastfall anlehnt.

Bei neueren Booten sind die werkseitig drin. Sie stimmen aber natürlich nur dann auf den mm wenn auch das Deck auf den mm verklebt wurde.

Bei alten Booten gibt’s noch ein Langloch ohne diese Anschlagsflächen. Hier muss die Position ermittelt werden und dann muss ein Anschlag rein.

Grundsätzlich kann man das Problem auch mit dem Achterstag lösen: Wenn das Achterstag genau so lang ist, dass bei Erreichen des J-Maßes der Verbindungschäkel zwischen Achterstag und Achterstag-Spanner am Decksdurchgang anliegt, kann man auch nicht mehr weiter als J ziehen.

 

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